Chronik der Hansele
 Auszug

1979
Die Entstehung
1975 - 1981

Innerhalb der Jugendgruppe des Schwarzwaldvereins kam irgendwann im Frühling 1975 die Idee auf, sich aktiv am Fasnachtsgeschehen beteiligen zu wollen. „Gründen wir doch eine eigene Gruppe!“ Mit diesem spontan ausgesprochenen Gedanken vom Jugendleiter des Schwarzwaldvereins, Walter Fürst, hat alles angefangen.

Walter Fürst und Hans-Paul Lichtwald hatten den Wunsch, maskiert am Kunsthäusle-Ball teilzunehmen. Das Kostüm eines „Hansele“ hatte Ihnen damals besonders gut gefallen. Wie ein Hansele aussah, hatte man schon auf einem Bild gesehen. Die Form stand also schon fest. Einig war man sich, daß das Häs in den Farben des Schwarzwaldvereins „grün-rot“ entstehen sollte. Dies kam am besten zur Geltung, wenn immer rote und grüne Plätzle abwechselnd auf Hose, Jacke und Kopf genäht wurden. Nachdem das feststand, machten Sie sich an die Arbeit und nähten sich jeder ein Häs.

Die zwei frischgebackenen „Hansele“ hatten auf dem Ball einen großen Erfolg. Sie kamen so gut an, dass sich die beiden überlegten, eine Untergruppe vom Schwarzwaldverein zu gründen. Daraufhin setzte sich eine Clique aus Fahnenschwinger und Jagdhornbläser vom Schwarzwaldverein sowie die DLRG zusammen, die dann viel später die heutigen Hohentwiel-Hansele gründeten. Zur ersten Stunde gehörten: Hans-Paul Lichtwald, Walter Fürst, Gerhard Corti, Bernd Theisen, Ernst-Günter Hahn, Gerhard und Freddy Würfl sowie Peter Marinelli.

Die weiteren Häs nähte dann Barbara Barufe. Sie entstanden, wie die beiden ersten, mit runden Plätzle. Von Hand wurde die Vorlage der Plätzle aus Karton ausgeschnitten und jedes Plätzle hat einzeln seine Rundungen mit der Hand bekommen. Hierbei hat jeder mitgeholfen. Beim Häs-Kopf hat man dann, im Bereich des Gesichtes, ein schwarzes glänzendes Stück Stoff eingenäht, auf das eine sehr lange rote Nase aufgenäht wurde. An jedes zweite Plätzle wurde anschließend ein Glöckle genäht. Später übernahm dann Claudia Weith das Nähen von Häs und Kutten.

Der Vereinsstammtisch war damals im Gasthaus Hegau (heutiges Alt-Hegau). Hans-Paul Lichtwald, Walter Fürst, Ernst-Günter Hahn und Gerhard Corti saßen dort zusammen und der Gedanke entstand, der Gruppe den Namen „Hegau-Hansele“ zu geben. Geführt wurde die Gruppe zu dieser Zeit von Walter Fürst.

Unsere Häs-Träger nannten sich nun „Hegau-Hansele“ und feierten am 11.11.1977 ihre erste Fasnachtsauferstehung im Sennhof, bei der ein Hansele mit viel Rauch und lautem Getöse aus einem Sarg stieg.

Unter dem Häs, trug man ein sogenanntes „Saalhemd“, welches später „Kutte“ genannt wurde. Das Saalhemd war damals in grün und wurde mit einer gelben Strickmütze um den Hals getragen. Auf der Vorderseite war links oben ein Emblem aufgestickt, welches die Form eines Wappens hatte. Gestickt hatte das Enblem damals Karin Maurer. Aufgenäht wurden sie damals von Barbara Barufe. Die gelben Mützen wurden von Ihrer Schwester, Regina Barufe, gestrickt.

Im Jahre 1977 war es endlich soweit, die Hegau-Hansele konnten sich offiziell der Öffentlichkeit als eigenständige Gruppe vorstellen. Man fuhr nach Radolfzell zu einem großen Umzug und wollte daran teilnehmen, obwohl die Anmeldung fehlte. Die Teilnahme wurde ihnen jedoch verweigert. Der Hanselevater des Narrenvereins Pfiffikus Hilzingen, Otto Hagen, hat es dann doch ermöglicht, dass die Hegau-Hansele erstmals als eigenständige Gruppe hinter seinem Verein mitlaufen durften. Die Freundschaft mit den Hilzinger-Hansele und den Narrenverein-Pfiffikus wurde immer größer. Sie wurden nun regelmäßig eingeladen, bei verschiedenen Umzügen als Untergruppe mitzulaufen. In dieser Zeit sind viel Erfahrungen im Vereinsleben gesammelt worden. Wobei die Reaktionen in der Öffentlichkeit sehr positiv dazu beigetragen hatten.

Auch ein erstes „Narrenbäumchen“ (ca. 2-3 m) wurde gefunden, eine Tanne die auf einem Leiterwagen den Umzug in Singen mitmachte und dann an einer Stange befestigt, feierlich in das Narrenloch vor dem Haus der Jugend versenkt wurde.

Die ersten Plaketten waren aus Holz gefertigt worden. Es wurden in Handarbeit ca. 200 Stück davon organisiert und von Gerhard Würfel gebrannt. Eigens hierfür hat er ein Brenneisen gefertigt, mit dem Hansele-Logo und dem dazu nötigen Schriftzug.

Später wurden die ersten Plaketten bei der Firma Hegau - Graviertechnik gekauft. Unser Ehrenmitglied, Bernd Klett, hat später die Plaketten graviert.

Die Satzung wurde in Angriff genommen. Einzelne Paragraphen aus mehreren Vereinen wurden übernommen und zu einer endgültigen Satzung der Hegau-Hansele zusammengestellt. Dank der Einsatzbereitschaft von Siggi Netzer, der sehr viel Zeit mit der Um- und Neuschreibung der neuen Fassung zu tun hatte, wurde eine Satzung kreiert, dieser verdankt der Verein seinen heutigen Status.

Die Hansele hatten sich überlegt, auch etwas zur allgemeinen Unterhaltung bei Abendveranstaltungen beizutragen. Dabei ist der erste Hansele-Volkstanz entstanden, genannt der „Jäger – Neuner“. Der erste Auftritt mit dem Tanz war am 11.11.1979. Alle Vereine wurden damit überrascht, denn so etwas hatte es bis dato noch nicht gegeben. Bei den Auftritten gab es sehr viel Applaus und Anerkennung.

Nun sind die Hegau-Hansele ein Begriff in der Fasnachtswelt geworden. Weiterhin haben sie an vielen Umzügen und Veranstaltungen als befreundeter Verein mitgemacht. Die engsten Freunde waren anfangs die Hilzinger-Hansele des Narrenvereins Pfiffikus, die Grabenhupfer und die Blumenzupfer.

Die Hegau-Hansele veranstalteten ihren ersten Fasnachtsball im Adlersaal. Da an diesem Abend noch etliche andere Veranstaltungen in Singen stattfanden, war ein fast leerer Saal die logische Folge. Ganze fünf zahlende Gäste kamen zu dem Ball. Es wurde trotzdem ein sehr lustiger Abend.

Jetzt galt es, die Hegau-Hansele als Narrenverein in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Die fertige Satzung wurde dem Amtsgericht vorgelegt, jedoch aber wegen dem Namen wieder abgelehnt. Die Vorgabe hierzu kam von den überregionalen Narrenzünften: „Hegau-Bodensee“ und der „Schwäbisch-Alemannische-Fasnet“. Der Grund war, das unser Name nicht ortsbezogen war. Auch Singener Vereine haben sich dagegen gewehrt, das wir den Namen „Hegau-Hansele“ benutzen, da der Name „Hegau“ geschützt war.

Bei der Gründungsversammlung am 07.12.1979 im Gasthaus Hegau, wurde dann sehr schnell der Name in „Hohentwiel-Hansele“ geändert. Anwesend waren 17 Mitglieder. Als Ehrenmitglieder wurden begrüßt: Ernst-Günter Hahn und Hans-Paul Lichtwald. Nachdem man nun die Satzung wieder geändert und sich von allen Seiten das OK der Vereine geholt hatte, wurde diese dann am 25.02.1980 dem Amtsgericht wieder vorgelegt. Sie wurde anschließend genehmigt mit dem Satz:

 

Die Satzung tritt rückwirkend am 11.11.1979 in Kraft.

 

Jetzt sind die Hohentwiel-Hansele endlich ein eigenständig eingetragener Narrenverein e. V., welcher in das Vereinsregister der Stadt Singen aufgenommen wurde. Der erste Eintrag in das Vereinsregister bestand aus folgender Vorstandschaft: 1. Vorstand: Gerhard Würfl 2. Vorstand: Gerhard Corti.

Besonderheit der Hohentwiel-Hansele:

Als erster Verein haben wir den Grundstein gelegt, dass es unterm Häs keine Geschlechtertrennung gibt.

Frauen waren von Beginn an immer gleichberechtigt.

Was zu dieser Zeit und auch teilweise bis heute nicht in jedem Verein zu finden ist.

 

Jetzt änderte sich auch das äußere Erscheinungsbild. Da das Häs mit runden Plätzle, sehr aufwendig zu nähen war und sehr viel Ausschuss an Filz produzierte, wurde dann entschieden, das Häs mit eckigen Plätzle zu nähen. Den dazu nötigen Stanzautomaten haben die Hilzinger-Hansele uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Auch die Kutten „Saalhemden“ wurden rot und die Mütze ist in grün gestrickt worden. Auf dem Rücken wurde das neue Hohentwiel-Hansele-Logo aufgemalt, gestickt und aufgenäht. Die Idee, das Hansele – Logo auf die Rückseite jeder Kutte anzubringen, hatte Ogün Kiyici. Dies hat sich bis heute nicht verändert.

Neu aufgenommene Mitglieder mussten erst eine Fasnacht in Kutte mitmachen, bevor sie ihr Häs erhielten. Anfangs konnte diese Regelung nicht immer eingehalten werden, da es zeitweise sehr wenig Hansele gab.

Um eine Einheitlichkeit zu erzielen, übernahm dann später Monika Kupczik das Nähen sämtlicher Häs und Kutten. Das Stricken der Kappen übernahm Gerhard Corti.

Die Einigkeit und das Zugehörigkeitsgefühl im Verein war sehr groß. Ohne große vorherige Versammlung oder Organisation waren an Umzügen immer alle dabei.

 

Text: Dagmar Steinbrenner

 

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